Pressestimmen

„Mit traumwandlerischer Leichtigkeit über technische Hürden“


Harxheim: Klavier- Rezital mit Asli Kilic zur Eröffnung des „Kultursommers Rheinland- Pfalz“

Sie erfüllt die Voraussetzungen einer großen Karriere, denn außer hervorragendem Können bringt sie – und damit ist sie zusätzlich begnadet- eine enorme künstlerische Ausstrahlung mit: Gesamteindruck vom Klavier- Rezital mit der jungen Pianistin Asli Kilic, die am Freitagabend in der Reihe der „Basurconzerte“ im Harxheimer Weingut Janson- Bernhard auftrat.

Vorwiegend italienische Komponisten war sie Eröffnung des „Kultursommers Rheinland- Pfalz“ gewidmet. Motto: „Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn?“. Erfreulich war bei dem Programm der Verzicht auf Bravour- und Repertoirenummern, denn zu Gehör kamen weitgehend unverbrauchte, eher selten aufgeführte Stücke.
Sinnfällig der Beginn mit zwei filigran angelegten Sonaten ( C- Dur K 513, D- Dur K 278) voller Esprit und Temperament von Altmeister Domenico Scarlatti. Die Interpretin überraschte zunächst durch ihr hingebungsvolles, ausdrucksstarkes Spiel. Mit farbig nuanciertem Anschlag schien sie jeden Ton neu zu empfinden, sie artikulierte dabei klar, jedoch ohne Schärfe, nahm technische Hürden mit traumwandlerischer Leichtigkeit. Ähnlich der Eindruck bei der Sonate B- Dur op.25,3 des zu Unrecht oft gering geschätzten Klassikers Muzio Clementi. Die Künstlerin gestaltete das reizvoll ziselierte, vor melodischem Charme nur so sprühende Werk mit perlender Spielfreude und Transparenz, dazu sinnlichem Ton, elegant und doch frei von manieristischem Gehabe.
Giacomo Rossinis „Eine Schmeichelei für meine Frau“ ( aus „Alterssünden“), klug strukturiert und betont innerlich wiedergegeben, wurde dem thematischen Anspruch gerecht und schlug die Brücke zur Romantik. Auch hier durchgängige Souveränität und Gelöstheit, wenngleich das meiste vom Blatt gespielt wurde.
Nach der Pause kamen Nicht- Italiener zum Zug, die das Zitronenblütenland „mit der Seele suchten“: Maurice Ravel übersetzte mit seinen „Jeux d´eau“ die glitzernden Wasserspiele der Villa D´Este auf die breit gefächerte Möglichkeit impressionistischer Klaviatur. Kilic ließ zu dem weichen Plätschern und Flimmern von Läufen und Trillern, die sie minutiös ausreizte, eine besondere Affinität erkennen und wiederholte das zart schillernde Stimmungsbild später als Zugabe.
Fulminantes, höchste Anforderungen stellendes Finale waren die Liszt´schen Vertonungen der „Drei Petrarca – Sonette“. Von überschwänglicher Seligkeit bestimmt ist no. 47 („Benedetto sia il giorno“), no. 104 („Pace non trovo“) wühlt geradezu in Leidenschaftlichkeit, no. 123 („I vidi in terra“) erinnert an einen raffiniert auskomponierten Liebestraum. Auch hier bot handwerkliche Meisterschaft die Grundlage für Inspiration. Auf langen sehr zugetanen Beifall folgte eine bereits an spieltechnisch Grenzen gehende Etüde Alexander Skrjabins, die unter Kilics Händen sogar eindringliche Schönheit erfuhr. Alle Hochachtung!............



Rheinpfalz, 10.05.2004, Marie- Louise Funk

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