Pressestimmen

Auf Kloster Armstein präsentierte das "gegen den Strom"- Festival unter dem Titel "Intime Werke von Mozart, Liszt und Skryabin Asli Kilic in einem Klavier- und Gesprächskonzert. Die in ganz Deutschland konzertierende, viel gefragte Pianistin wurde bei Paul Dan und Ranga Schirmer an den Musikschulen Mannheim und Köln ausgebildet. Parallel zu ihrer regen Konzerttätigkeit veröffentlichte sie drei von der Presse hochgelobte CDs. Mozarts Ronda a-moll KV 511 als Auftakt sagte bereits alles aus über Kilic Anliegen, Werke zu präsentieren, denen ein äußerlicher Anlass die Initialzündung lieferte. Wie in Mozarts 1878, kurz nach dem Tod seines Freundes Moritz von Hitzfeld komponierten Spätwerk. Claudio Aarau nannte es " eines der persönlichsten Dokumente, die je komponiert wurden." Der dramatische emotionale Vortrag, der stellenweise Chopin zu beschwören schien, war von unbestechlicher Klarheit und beispielhafter Durchsichtigkeit.Dunkel abschattierte, mit Mozarts Verzweiflungsenergie geladene Passagen dieser elegischen, ekstatisch - nervösen Musik liess Kilic vorbeiziehen. Die Verse des Dichters Francesco Petrarca, das lyrische Tagebuch seiner Liebe zu Laura, inspirierte Liszt zu "Drei Petrarca-Sonetten". Mit Noblesse und Leidenschaft rückte Kilic den infernalisch schweren Stücken zu Leibe.Schöne Augenblicke wechseln mit explosiven Ausbrüchen. Dank superber Technik ist die Musik von glasklarer Transparenz, auch dort, wo Liszt bizarre- abgründig, manisch und zerrissen klingt. In seinen "Sechs Klavierstücken" von 1893 macht Brahms im letzten der Stücke die Dies Irae (Tage des Zorns) aus der Totenmesse zum Thema. Seine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod veranlasste Kilic, das Spätwerk in ihr Programm aufzunehmen. Sie präsentierte einen stürmischen Brahms, der sich immer im Grenzbereich des klanglich noch gerade darstellbaren bewegt. Sie fügte die teils von lyrischer Intimität getragenen, teils orchestralen Klanggewalten zu einem musikalischen Ganzen. Mit größter Intensität leuchtet sie den vollgriffigen und teilweise schwer durchschaubaren Klaviersatz bis in die dunkelste Ecke aus. Leon Janacek (1854-1928), der bedeutende, in erster Linie wegen seinen Opern zu Ruhm gelangte tschechische Komponist, schrieb das überaus eindrucksvolle als "Sonata" bezeichnete Stück mit dem Datumstitel "1.10.1905". Janacek setzt hier ein Denkmal jenem Arbeiter, der bei einer Demonstration zur Errichtung einer Universität in Jananceks Heimatstadt Brünn zu Tode kam. Kilic brachte den ganzen Gefühlsreichtum der Musik zum Ausdruck, die innere Erregtheit, Trauer und Wut im ersten Satz, im zweiten einen in die Ferne weisende Zuversicht. "Mit der Janacek Sonate soll mein Konzert nicht enden", eröffnete Kilic ein Finale mit Skryabin Stücken. Was sie aus seinen "Poemes op.32" alles herausholte, war absolut hörenswert: futuristische Klang, glasklare Arpeggien und singende Mittelstimmen. Der gut gefüllte Pilgersaal hallte wider vom begeisterten Applaus.

RZ-Rhein-Lahn-Kreis, 20.07.2017, Karl Haxel

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