Pressestimmen

Zarte Tupfer, dunkle Töne, feine Details
von unserem Mitarbeiter Simeon Holub

Ihre Augen sind geschlossen, während die Finger behutsam über die Tasten des Flügels gleiten. Mit leichtem Rubato verzögert Asli Kilic die schmerzvoll chromatische Melodie in der rechten Hand. Noch sind wir nicht in der Romantik angekommen- doch wäre da nicht der tänzelnde 6/8 Takt und die von leichtigkeit zeugenden Läufe, würde man kaum Mozart hinter dieser Komposition vermuten. Das Spätwerk Rondo a-moll KV 511, leitet mit seinen vorrausweisenden Zügen hervorragend zu Frédéric Chopin über.
„Innere Monologe- intime Werke von Mozart bis Brahms“ lautet das Programm, das Kilic im Mannheimer Zeughaus präsentiert. Mit den Nocturnes von Chopin betritt sie eines der intimsten Terrains der Klavierwelt. „Die Nocturnes sind anders als die vorherigen von Chopin. Die dunklen Töne sind vorherrschend“, verrät die Pianistin. Die dunklen Töne in den Nocturnes op.62 sind deutlich hörbar- wenn seufzende Vorhalte unaufhörlich nach Auflösung streben und durchgehende Bassfiguren das Klavier zum Grollen bringen. Im zart angeschlagenen Dur-Akkord findeet die Geschichte dann noch einen heilen Ausgang.
Vielseitige Pianistin
Dann präsentiert Kilic drei schwärmerische Sonette nach Petrarca von Franz Liszt. Schon beim ersten Sonett, Nr.47 werden feinste dynamische Nuancen offenbart und ausgekostet. Die sechs Klavierstücke op.118 von Brahms zeigen zum Abschluss noch einmal die Vielseitigkeit der Pianistin. Sei es die Wendigkeit der Finger in den schnellen Läufen beim Intermezzo a-moll , die gefühlvoll aufgelösten Vorhalte im Intermezzo A-Dur oder die Einfachheit im Unisono beider Hände im Intermezzo in es-moll- da darf es auch mal Zwischenapplaus geben. Auch wenn man es schon gespürt hat, bekennt Kilic: „Das sind Stücke, die mir sehr am Herzen liegen.“


Mannheimer Morgen, 12.07.2016, Simeon Holub

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