Pressestimmen

Der Mystiker swingt
Die Pianistin Asli Kilic und ein Jazzensemble erkunden die Möglichkeiten der Musik Alexander Skrjabins
Rheinpfalz Rainer Köhl

Vor 100 Jahren starb Alexander Skrjabin, ein gefeierter Klaviervirtuose und exzentrischer Komponist. Bearbeitungen klassischer Stcke reizen auch Jazzmusiker immer wieder, und so war nun der russische Komponist Objekt der Begierde für ein Ensemble aus der Region, das sich THE SCRIABIN CODE nennt. Im BASF-Gesellschaftshaus in Ludwigshafen konnte man beides hören:
Original und jazzige Bearbeitung.

Synästhesien spielten für Skrjabin immer eine wichtige Rolle. Mit Tasten und Akkorden assoziierte er bestimmte Farben und lässt Aufführungen seiner Musik gerne von Bildern begleiten. Und so haben nun auch Reinhard Geller und Lajos Lehel farbenreiche Visuals erstellt und zum Konzert projiziert. Sieben Solostcke Skrjabins, darunter vier der Préudes op.11, sind Ausgangsbasis für The Scriabin Code und fr den Klarinettisten Martin Albrecht, der Klassik und jazz in Leipzig studierte und dienStcke fr das Ensemble bearbeitet hat.
Die Mannheimer Pianistin Asli Kilic spielte die Originale, liess die kühne Harmonik, die Verminderten und übermässigen Septen, Nonen und Undezimen, die ganze narkotisierende Wirkung der Klänge ebenso zur Wirkung kommen wie deren Magie und glühende Farbigkeit. Die Mystik von Skrjabins Musik, das Flimmernde, Schillernde, Glei゚ende, das Asli Kilic einfing, fand sich wieder in den Bearbeitungen des Ensembles. Sei es in sanften, enigmatisch schwebenden Klängen, sei es in grossen Verdichtungen und visionnärem Aufbäumen.
Es waren sehr jazzaffine Bearbeitungen, minimalistisch, dann wieder ruhevoll magisch und stets einen geheimen Zauber atmend. Titel wie Hektik Rausch Hetzjagd oder Nebel gab Albrecht seinen Bearbeitungen. Die waren voller traumartiger Sequenzen und schwebender Vieldeutigkeit, dann virtuos verflochten. Grenzgänge zwischen Fantastik und Klarheit.
Nicht selten begann der Mystiker Skrjabin handfest zu swingen, vorangetrieben von Dirik Schilgen am Schlagzeug und Katharina Gross am Kontrabass. Jazzpianist Daniel Prandl gab der extravaganten Harmonik des Originals viel irdische Leidenschaft. Die Folie von Skrjabins Harmonien blieb immer durchhörbar und doch berformt von eigenen Ideen des Klarinettisten.
Die geheimnisvollen Töne von Albrechts Klarinette und Bassklarinette vertieften dabei noch die Enigmatik von Skrjabins Ideen. Dabei war gleichfalls immer noch Raum für Improvisation, Raum um Harmonien und Gedanken ausschwingen zu lassen. Romantisch Balladeskes liess Daniel Prandl ber die Klaviatur laufen und schweben. Dabei entstanden anregend- tiefsinnige Dialoge zwischen Originak und Bearbeitung. Mystisches und Virtuoses wurden hier ganz selbstverständlich verbunden.

Rheinpfalz, 10.10.2015, Rainer Köhl

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