Pressestimmen

"Stürmische Kontraste"

Pianistin Asli Kiliç in den Reiss-Engelhorn-Museen

Die Pianistin Asli Kiliç hat vor kurzem ihre erste Solo-CD mit Werken von Mozart, Beethoven, Schumann, und Brahms veröffentlicht. Bei Ihrem Konzert im Mannheimer Zeughaus spielte sie ein anderes, moderneres Programm, Stücke von Maurice Ravel, Alexander Skrjabin, Frederic Chopin und Leoš Janáček.

Insbesondere bei den Werken Janáčeks zeigte Asli Kiliç, dass sie Kontraste liebt. Die „Sonate von der Straße“ gestaltete Sie als sehr dramatisches Geschehen. Die Gegensätze von harten Fortissimo-Ausbrüchen und sensiblen Rubato-Teilen waren enorm. Die Pianistin begann so stürmisch, dass dann nicht mehr viel Steigerung möglich war.
Ganz wundervoll klangen Ravels „Jeux d’eau“. Die Wasserspiele perlten und sprudelten nur so, die außergewöhnlichen technischen Raffinessen, die der Komponist eingebaut hat, klangen so spielerisch und leicht, dass sie ganz hinter den musikalischen Vortrag zurücktraten. Ähnliches galt für die Barcarole in Fis-Dur, die Chopin gegen Ende seines Lebens geschrieben hat. Über dem Wellenspiel der linken Hand entfaltete die Pianistin die singende Melodie. Als Zuhörer konnte man sich ganz in diese groß angelegte Komposition versenken, so dass man bei dem etwas abrupt wirkenden Schluss wie aus einem Traum erwachte.

Asli Kiliçs Album „Debüt“ ist beim Mannheimer Label Rodenstein Records erschienen und begründet dort die Reihe Rodenstein Klassik. Chef des Labels ist der Jazzmusiker Olaf Schönborn. Rodenstein Records hat bisher auch Jazz veröffentlicht unter anderem CDs von Jens Bunge, Nicole Metzger und Kicks ´n` Sticks. „Ich habe die Klassik-Reihe gestartet, weil ich gemerkt habe, dass es zwischen dem Jazz- und dem Klassik-Publikum Überschneidungen gibt: Wer das eine hört, ist meist auch offen für das andere“, begründet Schönborn die neue Reihe.

Diese Erfahrungen habe er auch an der Musikhochschule in Mannheim gemacht, wo bei Jazz- Sessions auch immer wieder Studenten der Klassik aufgetaucht seien. An der Hochschule hat er auch Asli Kiliç kennengelernt. Die aus Frankfurt stammende Pianistin studierte in Köln und Mannheim. Sie ist regelmäßig bei der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und für das Orchester des Südwestrundfunks tätig. Am Nationaltheater ist sie als Pianistin bei Oper- und Ballettproduktionen engagiert.

Auf der CD ist mit Beethovens Sonate As-Dur (op. 26) die Lieblingssonate der Pianistin aufgenommen. Sie widmet sich intensiv der Melodik des Themas und arbeitet Beethovens raffinierte Variationen deutlich heraus. Zu hören sind ferner Mozarts Rondo a-moll (KV 511), Schumanns Sonate g-moll und Sechs Klavierstücke von Brahms (op. 118).

Zur Zeit ist bereits ein zweites Album in Arbeit, wie Schönborn ankündigte. Asli Kiliç wird gemeinsam mit ihrer Schwester, der Mezzosopranistin Sirin Kiliç, Bearbeitungen türkischer Volkslieder einspielen. Die Arrangements stammen von Ludger Vollmer, der schon Fatih Akins Film „Gegen die Wand“ als Oper umgesetzt hat.



Rheinpfalz, 08.06.2010, Gereon Hoffmann

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