Pressestimmen

"Stimme und Ausdruck"
Die Schwestern Sirin und Asli Kiliç begeistern mit einem Liederabend in der Neustadter Königsmühle

NEUSTADT. Ein gern gesehener Gast bei den Kulturveranstaltungen der Lebensgemeinschaft Königsmühle in Neustadt ist die in Frankfurt geborene und heute in Mannheim lebende Pianistin Asli Kiliç. Schon mehrfach ist die türkischstämmige Künstlerin hier aufgetreten, und mittlerweile hat sich eine herzliche Freundschaft zu den Königsmühlern entwickelt. Zu ihrem Auftritt am Samstagabend hat sie nun erstmals ihre Schwester Sirin mitgebracht, die als gefeierte Mezzosopranistin derzeit am Theater Bremen engagiert ist.
Asli Kiliç kommt sehr gerne hierher, wie sie selber sagt, sie liebe das idyllisch gelegene historische Gebäude, in dem behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammen wohnen und arbeiten, aber auch gemeinsam zu feiern verstehen.
An diesem Abend traten die Schwester nun als Duo auf und verzauberten ihr Publikum mit einem Liederabend unter dem Titel „Von ewiger Liebe“, benannt nach dem bekannten Klavierlied aus op. 43 von Johannes Brahms, von dem Asli und Sirin Kiliç noch zwei weitere Lieder, „Wie Melodien zieht es mir“, op. 105 Nr. 1, und „Immer leiser wird mein Schlummer“, op.105 Nr. 2, zum Vortrag brachten. Besonders bei letzterem fiel auf, wie viel
Emotionen beide Künstlerinnen in ihre Musik einbringen.
Die in Anbetracht ihrer bisherigen Erfolge noch recht jungen Geschwister – beide sind um die 30 – sind Ausnahmeerscheinungen am Klassikhimmel. Asli absolvierte ihr Musikstudium an den Musikhochschulen Mannheim und Köln. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde sie mit einem Sonderpreis der „Deutschen Stiftung Musikleben“ bei „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. Heute ist sie regelmäßig als Pianistin mit der Staatsphilharmonie und dem SWR Orchester Kaiserslautern zu erleben. Auch bei Oper- und Ballettproduktionen des Nationaltheaters Mannheim ist ihr Spiel sehr gefragt. Im Juni veröffentlichte sie ihre erste Solo CD „Début“ mit Klavierwerken von Mozart, Beethoven, Schumann und Brahms.
Ihre Schwester Sirin studierte an der Musikhochschule Freiburg und sang seit 2001 zahlreiche Rollen in großen Opernproduktionen, etwa die Belinda in Purcells „Dido und Aeneas“ an der Kammeroper Mannheim oder die Titelpartie in Ravels „L‘Enfant et les Sortileges“ in Freiburg. Auf der Liste ihrer bisherigen Begleitorchester finden sich die Münchner Symphoniker, die Bremer Philharmoniker oder das Barock-Consort Konstanz. Während ihres derzeitigen Engagements am Theater Bremen sorgt sie in der weiblichen Hauptrolle der Oper „Gegen die Wand“ von Ludger Vollmer, nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin, für bundesweite Beachtung. Für die kommende Saison ist sie dort schon für Partien in der „Fledermaus“ und „Don Giovanni“ gebucht.
Asli Kiliçs hohe Klavierkunst lässt sich nicht von der Geschwindigkeit, mit der ihre Finger über die schwarzen und weißen Tasten jagen, und auch nicht vom Schwierigkeitsgrad des gerade zu greifenden Akkordes ablesen, sondern vor allem von der Leidenschaft, die sie in ihr Spiel legt und die sich ganz unmittelbar auf das Publikum überträgt. Diese Ausdruckskraft war auch bei dem einzigen Solostück des Abends, einem Satz aus der Sonate g-Moll op. 22, 2 von Robert Schumann deutlich spürbar.
Ähnlich verhält es sich bei Sirin Kiliç. Sie scheint, wenn sie ihre wunderbare Stimme erhebt, in eine andere Welt einzutauchen, aus der sie erst wieder erwacht, wenn der letzte Ton verklungen ist. Besonders stark machte sich das bei „Träume“ und „Im Treibhaus“, zwei der so genannten „Wesendonk-Liedern“ Richard Wagners bemerkbar, die sie mit viel Ausdruck verband und bei denen sie auch gesanglich alles gab. Als Zugabe bot sie mit „Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust“, einem langsamen Walzer aus der Operette „Venus in Seide“ von Robert Stolz, dafür etwas leichtere, aber deswegen nicht etwa anspruchslose Kost zum Abschluss eines voll und ganz gelungenen Konzertabends.
Und dass die Schwestern trotz ihres stetig wachsenden Erfolges Stars zum Anfassen geblieben sind bewiesen sie anschließend in vielen persönlichen Gesprächen mit ihrem begeisterten Publikum.

Rheinpfalz, 08.09.2009, Hans Kraus

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