Pressestimmen

Mit großer Leidenschaft an der Tastatur

Energie und Poesie: Klavierrecital Asli Kiliç im Heidelberger Prinz Carl

Ihre große Meisterschaft konnte Asli Kiliç in unserer Region bereits mehrfach demonstrieren, nicht zuletzt in orchesterbegleiteten Auftritten. Die Pianistin ist Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe. So erhielt Sie 1995 und 1997 einen ersten Bundespreis und einen Sonderpreis der „Deutschen Stiftung Musikleben“ beim Wettbewerb „Jugend musiziert“.
Jetzt hat die Künstlerin eine neue CD bei dem Mannheimer Label Rodenstein Records eingespielt, die sie bei einem Konzert im Heidelberger Prinz Carl Palais vorstellte. Mit Mozarts Rondo a-moll KV 511 begann Sie ihr Recital. Sie gab dem Stück mit starkem Rubato sehr viel Raum zum sinnieren und Innehalten. Prägnant ist ihr Anschlag und gleichzeitig von reicher Poesie erfüllt. Das verfehlte seine Wirkung auch bei Beethovens Klaviersonate As-Dur op. 26 keineswegs. Viele Freiheiten brachte Asli Kiliç in den eröffnenden Variationensatz. Kraftvoll hedonistisch, mit lodernd aufgerütteltem Furor erfüllte sie das Scherzo. Und dass in dem „Marcia funebre“ ein Held zu Grabe getragen wird, wurde deutlich in dem energiereich lapidaren Gestus, den glutvoll eingestanzten Visionen.
Eine Straßenschlacht war der kompositorische Anlass von Janáčeks einziger Klaviersonate 1. X. 1905: An diesem Tag demonstrierten in Brünn tschechische Bürger für die Einrichtung einer tschechischen Universität, wobei ein Demonstrant zu Tode kam. Janáček hat die selbst erlebten Eindrücke in dieses Werk gefasst. Mit großer Leidenschaft wühlte sich Asli Kiliç hinein in die Musik, versenkte sich mit still leuchtenden Pianissimi in die große Tiefe dieser ausdrucksstark geformten Klänge. Eine reiche Ausdruckspalette eröffnete die Pianistin in den abschließend gespielten Sechs Klavierstücken op. 118 von Brahms. Tief erfühlte Geheimnisse brachte sie in großer lyrischer Empfindung zum Vorschein.
Sehr eindrucksvoll gestaltete Sie die harmonischen Kühnheiten des letzten Intermezzo, mit insistierenden Verdichtungen und leidenschaftlichen Ausbrüchen. Virtuosität war dabei nie Selbstzweck, sondern wurde immerzu in schönste Poesie übertragen. Überlegen gestaltend musizierte Asli Kiliç diesen Zyklus.



Rhein-Neckar-Zeitung, 30.05.2009, Rainer Köhl

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