Pressestimmen

"Matinée im Frankfurter Künstlerclub"

Frankfurt a.M: Wer den Frankfurter Künstlerclub seit Jahren besucht, hat manchmal die Gelegenheit, künstlerische Entwicklungen hautnah mitzuerleben. So zum Beispiel die mittler-
Weile 24-jährige Pianistin Asli Kilic, die schon als 17-jährige auf dem Klavierhocker im Nebbienschen Gartenhaus saß, um ihre Musikalität unter Beweis zu stellen. Dass die gebürtige Frankfurterin bereits einen langen Ausbildungs- und Arbeitsweg hinter sich hat, entnahmen die Zuhörer nicht nur ihrer Biografie. Die türkische Pianistin strahlt Persönlichkeit aus, wenn sie an der Tastatur ihr Können ausbreitet. Fast wie das Programm einer Diplomprüfung las sich die Abfolge von Kompositionen aus verschiedenen Epochen, mit denen Asli Kilic ihr Publikum einen Vormittag lang verwöhnte. Dabei verriet sie später im Gespräch, dass alle ihre Darbietungen allesamt zum ersten Mal in dieser Reihenfolge erklangen- ihre Diplomprüfung als Klavierpädagogin hat sie an der Musikhochschule Mannheim übrigens mit Bestnote längst in der Tasche.
Nach der differenziert perlenden Sonate in CK 513 von Domenico Scarlatti- den Forderungen nach Fingerfertigkeit dem Barockmeister Bach in nichts nachstehend-, erklangen Ludwig van Beethovens Sonate As- Dur op.26, Fréderic Chopins Ballade g- moll op.23 und Drei Klavierstücke des jungen Komponisten Timo Jouko Herrmann. Was Asli Kilic in ihren Interpretationen vermittelte, war eine tiefe Beschäftigung mit der Musik, ebenso Ton für Ton als auch Phrase für Phrase in Finger und Gefühl eingearbeitet. Ihre musikalischen Gesten hatten Stil und Tiefe; nichts wirkte aufgesetzt, eher spürte man der sympathischen Pianistin ein ernsthaftes Versunkensein an, dem sich die Zuhörer nahtlos anschließen konnten. Kein Lauf glitt ihr aus den Fingern- nur hier und da könnte die letzte Ruhe im polyphonen Dickicht- Beispielsweise in der Beethoven- Sonate ihrem Spiel künstlerische Sahnehäubchen aufsetzen. Asli Kilic sollte sich trauen, ihre starke Persönlichkeit noch mehr in klingendes Temperament zu verwandeln- technisch und emotional scheinen ihr da keine Grenzen gesetzt zu sein. Im Profilager hat die Pianistin längst Position bezogen: Neben ihrem künstlerischen Aufbaustudium bei Arbo Valdma an der Kölner Musikhochschule ist sie bei der Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz sowie am Nationaltheater Mannheim pianistisch tätig. Von Asli Kilic wird noch zu hören sein- vermutlich mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Sirin, die als angehende Sängerin mit ihrer Schwester Liederwettbewerbe bestreiten möchte. Auch instrumentale Kammermusik gehört übrigens zum Steckenpferd von Asli Kilic, kurzum: Jede Gelegenheit, spielend am Klavier zu sitzen reizt die Pianistin , die 20 Jahre ihres Lebens in Frankfurt verbracht hat. Hoffentlich wird sie dementsprechend noch häufig hier zu hören sein.



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2003, Björn Hadem

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